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Kleinformate

Ruinenlandschaft

  • Christian Georg Schütz der Ältere
  • wohl um 1775
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 17,2 cm; B.: 25 cm; T.: 0,5 cm
  • hmf.Pr665
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Beide Gemälde stellen Phantasielandschaften mit Ruinen unter leicht bewölktem Himmel und in südlichem Licht dar. In Pr664 überblickt man eine locker umbaute Platzanlage, an die sich links der Ausblick über eine weite Wasserfläche anschließt. Im Vordergrund ist rechts als Repoussoirmotiv eine schmale Wand mit Nischenbrunnen eingefügt. Links führen drei Steinstufen zu einem niedrigen Steinblock, auf dem ein Mann mit rotem Wams ruht, ein zweiter mit blauer Hose steht lässig daneben und weitere Figuren beleben den Platz. Ruinöse Bauten nehmen den Mittel- sowie Hintergrund ein.

Das Pendant 665 zeigt in entgegen gesetzter Anordnung eine Wasserfläche rechts und die Platzanlage links. Mittig erhebt sich eine marmorhelle Statue, auf deren Podest ein Mann sitzt, ein vornehm gekleideter Herr steht daneben. Blickfang der Komposition ist indes eine eher barocke, denn antike Torarchitektur mit rundbogigem Durchgang.

Dekorative Ruinenstücke nach der Phantasie zählen, neben idealen Flusslandschaften, zu den Spezialgebieten des älteren Schütz und wurden von zeitgenössischen Sammlern und Kunstkennern sehr geschätzt. Die Grundlagen solcher Architekturdarstellungen dürfte Schütz bereits während seiner Lehrzeit erworben haben, da Scheinarchitekturen aller Art zum gängigen Repertoire barocker Dekorations- und Deckenmalereien zählten. Ruinenstücke finden sich denn auch auffallend häufig unter den Schütz-Gemälden für fürstliche Raumausstattungen.

Geradezu phantastisch muten seine Architekturen in einigen späteren und im Kabinettformat gehaltenen Ruinenstücken an, die zudem beweisen, dass diese Darstellungen auch als Bereicherung zeitgenössischer Kunstsammlungen gefragt waren. An deren Erfolg auf dem Markt knüpften sodann weitere Maler des Frankfurter Raumes mit ihren eigenen Ausformulierungen von Ruinenlandschaften und Ruinenbildern an, wie Joahnn Ludwig Ernst Morgenstern und Christian Stöcklin.

(Gerhard Kölsch; Kurzfassung: Sina Bergmann)