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Kleinformate

Brustbild eines jungen Mannes

  • Johann Andreas Benjamin Nothnagel
  • um oder nach 1771/72
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 9,2 cm; B.: 7,6 cm; T.: 0,8 cm
  • hmf.Pr539
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Das Phantasiebildnis wurde nach Art niederländischer Charakterköpfe („tronies“) geschaffen und vor rotbraunen Grund gesetzt. Der junge Mann trägt ein grau-braunes Wams über Hemd und rotem Halstuch sowie einen flachen, gefalteten Hut mit keck aufgesteckter Feder als Kopfputz. Die Darstellung ist aus fein und kleinteilig nebeneinander gesetzten, doch nur mäßig bewegten Pinselzügen gebildet. Sie zeigt somit jene quasi „vorsichtig“ gestrichelte Manier, die für Gemälde von Nothnagel typisch ist und dem kleinteiligen Duktus seiner Werke entspricht.

Nothnagel beschäftigte sich intensiv mit Werken Rembrandts und sein Brustbild rekurriert auf konkrete Vorbilder des Künstlers bzw. seines Kreises. Der Frankfurter Maler, Tapetenfabrikant und Kunsthändler ist eine Schlüsselfigur, um die Wechselwirkungen zwischen Sammlerinteresse, Angebot des Kunstmarktes und Rembrandt-Nachahmungen in Frankfurt zu verstehen. So ist von den ganzen 113 Gemälden, die im 18. Jahrhundert dort unter dem Etikett „Rembrandt“ versteigert wurden, heute nur ein einziges im Original bekannt, wobei es sich in Wirklichkeit wohl um ein Werk von Benjamin Gerritsz. Cuyp (1612–1652) handelt. Auch zwei von Nothnagel nachradierten Rembrandt-Gemälde können nur eine beispielhafte Vorstellung von den seinerzeit in Frankfurt präsenten Werken Rembrandts und seines Umkreises geben, wobei es sich in vielen Fällen auch um Kopien gehandelt haben dürfte. Daneben boten Radierungen Rembrandts in Frankfurter Sammlungen den ansässigen Künstlern reiches Material zu Studien und prägende Anregungen.

(Gerhard Kölsch, Kurzfassung: Sina Bergmann)