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Kleinformate

Kircheninterieur

  • Johann Ludwig Ernst Morgenstern
  • 1793
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 11,3 cm; B.: 13,9 cm; T.: 0,6 cm
  • hmf.Pr519
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Das querformatige Kircheninterieur nach der Phantasie zeigt den Blick in das Hauptschiff eines gotischen Sakralbaus. Seit Juli 1772 in der Werkstatt des Frankfurter „Tapetenfabrikanten“ Johann Andreas Benjamin Nothnagel tätig, soll Morgenstern zunächst Landschaft-, Genre- und Pferdemalereien gefertigt haben. Nachweislich ab 1775 schuf der Maler Kircheninterieurs und widmete sich somit einer in der niederländischen Malerei geläufigen Bildgattung, die in Frankfurt zuvor bereits Christian Georg Schütz der Ältere und Christian Stöcklin ausgeführt hatten. In der Folge malte Morgenstern Kircheninterieurs nach der Phantasie, im gotischem, barocken oder „klassischen“ Stil und bei Tages- oder Nachtlicht. Er stellte Frankfurter Bauten wie den Bartholomäusdom oder die Leonhardskirche dar und belebte alle diese Darstellungen durch zeitgenössische oder historisierende Staffagefiguren. Der Maler dokumentierte seine zahlreichen Architekturdarstellungen von 1775 bis 1819 in einer „Spezification“, die 114 Ölgemälde, zwei Gouachen und neun aquarelliert Zeichnungen umfasst.

Seine sehr feine, in Lasuren angelegte Malerei und das in reich nuancierten Ocker- und Brauntönen gehaltene Kolorit auf Pr519 entfalten annähernd die Wirkung einer lavierten oder kolorierten Zeichnung. Überblickt man Prehns nachgelassenen Gemäldebesitz, so fällt auf, dass er von Morgenstern nur ein einziges der bei Sammlern begehrten und teuer gehandelten, großen Kircheninterieurs besaß. Auch in Prehns Miniaturkabinett waren dessen Interieurdarstellungen mit lediglich drei weiteren Beispielen weitaus seltener vertreten, als Beispiele der übrigen Bildgattungen dieses Malers.

(Gerhard Kölsch, Kurzfassung: Sina Bergmann)