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Kleinformate

Der Schneidwall in Frankfurt

  • Werner
  • wohl um 1780/1800
  • Ölhaltige Malerei auf Laubholz, H.: 8,5 cm; B.: 11,8 cm; T.: 0,8 cm
  • hmf.Pr540
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Das kleine Gemälde gibt einen Blick über den Main bei Frankfurt mit der Ansicht des Mainzer Bollwerkes bzw. des so genannten Schneidwalls wieder. Die Stelle markierte den Übergang der ehemals entlang der Mainfront am Ufer verlaufenden Mauer zur Westfront der Landmauer, in deren Verlauf dann weiter nördlich das Alte Gallustor folgte. An eben dieser Stelle stand der erstmals 1357 erwähnte Mainzer Turm, ein massiver Rundturm mit offenem Wehrgang und glockenförmigem Dach, an den sich die 1466/67 erneuerte Mainzer Pforte anschloss. Die strategisch wichtige Position wurde 1519/20 als Mainzer Bollwerk nach allen Himmelsrichtungen durch Rondelle verstärkt und mit weit vorgelagerten Schanzen umgeben. Ein auf gleicher Höhe im Main stehender, schmaler Landstreifen ergab eine starke Wasserströmung und die günstige Gelegenheit, mehrere Schneidmühlen zu betreiben, woraufhin sich der Name Schneidwall für diesen Abschnitt der Stadtbefestigung einbürgerte. An der Mainfront schlossen sich weiter östlich eine lange Kaimauer und der so genannte Weinmarkt an, der den wichtigsten Frankfurter Anlege-, Lade- und Stapelplatz für die Handelsschifffahrt bildete.

In der besprochenen Ansicht erkennt man am rechten Bildrand die letzte Partie der Kaimauer mit einem der beiden Kranen, und dahinter ein kleines Stück der hohen Mauer zum Main hin. Nach links folgen die bastionsartige Ummauerung des Landstreifens im Main und der von einem Holzsteg überspannte Zufluss zum Mühlgraben. Die grau schimmernden Schieferdächer deuten den Standpunkt der Mühlengebäude an, hinter denen sich der hell verputzte Mainzer Turm zwischen hohen Baumkronen erhebt. Die Ansicht beeindruckt durch ihre gekonnt skizzenhafte Ausführung, die bei aller Kleinheit viele topographische Details erstaunlich genau wiedergibt.

(Gerhard Kölsch, Kurzfassung: Sina Bergmann)