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Kleinformate

Die Zypressengruppe der Villa d’Este bei Tivoli

  • Carl Morgenstern
  • 1838
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 17,1 cm; B.: 15,1 cm; T.: 0,6 cm
  • hmf.Pr526
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Mit der Zypressengruppe der Villa d’Este bei Tivoli stellte Carl Morgenstern ein bei zeitgenössischen Malern ausgesprochen populäres Motiv dar. Hierbei bildet eine stattliche Gruppe alter, in dunkelstem Grün gehaltener Zypressen den Blickpunkt. Morgenstern setzt die Baumgruppe in den Mittelgrund des Bildes und an das jenseitige Ufer eines den gesamten Vordergrund einnehmenden Gewässers. Die in minutiöser Feinmalerei ausgeführte Landschaft besticht durch eine ausgesprochen stimmungsvolle Lichtwirkung: Die tief stehende Sonne wird von der linken Zypresse gerade verdeckt, so dass der Himmel daneben in hellstem Gelb leuchtet. Die Himmelsfläche weist sodann fein nuancierte Übergänge zu immer dunkleren Gelb- und Blautönen bis hin zu einem leuchtenden Azur auf. Das Farbenspiel des Himmels, wie auch die dunklen Silhouetten der Zypressen finden sich als Spiegelung auf der Wasserfläche wieder. Sonnenstand und Lichtwirkung, aber auch ein Hirte, der mit seinem Hund die Schafe an den Füßen der Zypressen auf die Weide bringt, zeigen an, dass es sich um die Darstellung eines frühen Morgens handelt.

Wie bei den Wasserfällen bei Tivoli Pr525, so entstanden auch die Vorarbeiten zu der besprochenen Landschaft bei Morgensterns erstem Aufenthalt in Tivoli ab Mai 1835. Der junge Maler berichtet hierüber einem Brief an die Eltern: „[…] In der Villa d’Este zeichne ich viel, da sind die schönsten Zypressen die es in ganz Italien gibt, sehr malerisch. […]“ Überliefert ist eine mit dem 25. Mai 1835 datierte Bleistiftstudie, die den charakteristischen, malerisch-hohen Wuchs und die vielfältigen Strukturen der Stämme und Äste, der Rinde und des dichten Laubs der Zypressengruppe minutiös dokumentiert. Die mehrstämmige, leicht schief aufragende Zypresse rechts kehrt in genau dieser Form denn auch in Pr526 wieder.

(Gerhard Kölsch, Kurzfassung: Sina Bergmann)