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Kleinformate

Entenjagd bei einer Schleuse des Rödelheimer Dammes

  • Carl Morgenstern
  • wohl 1831
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 20,9 cm; B.: 27 cm; T.: 1,1 cm
  • hmf.Pr633
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Das Gemälde stellt eine Entenjagd am Rödelheimer Damm, also in der Auenlandschaft der Nidda nahe Frankfurt dar. Der Blick schweift über eine kleine Wasserfläche, wobei links eine hohe, spärlich bewachsene Böschung vom Vorder- zum Mittelgrund überleitet. Dort erkennt man eine Hochwasserschleuse samt Hebemechanismus. Hier verharrt ein dunkel gekleideter, nur schwer erkennbarer Jäger samt Jagdhund. Von einigen im Wasser stehenden oder liegenden Weidenstämmen gedeckt, zielt er mit einer Flinte auf drei Wildenten rechts. Eine entfernte, dunkle Baumreihe dahinter schließt die Komposition ab, die von einem stark bewölkten, nach hinten dunkler werdenden Himmel hinterfangen ist. Morgenstern erzeugt durch die entfernten, dunklen Partien eine eindrucksvolle Perspektivwirkung und suggeriert durch helle Sonnenflecke, Lichtpunkte und die wie durch einen Windhauch leicht gebogenen Zweige die Atmosphäre eines spätsommerlichen Tages.

Eine Wanderung in die Gegend von Königstein im Taunus im Juli 1831, bei der eine ganze Reihe von Ölskizzen vor Ort entstand, brachte für den jungen Morgenstern eine direkte Beschäftigung mit einzelnen Naturmotiven und eine bislang ungeahnte Gestaltungsfreiheit und Frische in Farbe und Form. Das in seiner Gesamtheit eher zufällig und natürlich, als durchkomponiert wirkende Arrangement der Entenjagd zeugt von Carl Morgensterns Willen, die Tradition holländisch geprägter Landschaftsdarstellungen hinter sich zu lassen. Auch die zum Teil sehr hellen, transparent schimmernden Farben, die flirrenden Lichtflecke und die atmosphärische Gestimmtheit der Entenjagd offenbaren seine künstlerische Entwicklung und korrespondieren mit verschiedenen seiner nunmehr frei und leicht angelegten Aquarellstudien dieser Werkphase.

(Gerhard Kölsch; Kurzfassung: Sina Bergmann)