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Miniaturkabinett

20. Abteilung

Die Verwandlung der Seidenraupe

  • Georg Flegel (1566-1638)
  • 1620er Jahre (?)
  • Ölhaltige Malerei auf Kupfer, H.: 8,9 cm; B.: 6,7 cm; T.: 0,05 cm
  • hmf.Pr465
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

In einem Simultanbild zeigt Flegel auf engstem Raum die Metamorphose des Seidenspinners. Rechts oben sehen wir zwei ausgewachsene Seidenspinner bei der Paarung. Auf einem Stück Papier oder Pergament in der rechten unteren Ecke liegen zahlreiche, schon etwas ältere und daher graue Eier und kleine Räupchen. Aus ihnen wächst die auf einem angefressenen Blatt des Maulbeerbaumes dargestellte weiße Raupe heran. Sie wiederum spinnt nach 30 bis 35 Tagen den gelblich-weißen Kokon um sich, der in der linken oberen Ecke zu erkennen ist. Danach erfolgt die Verpuppung, wie sie in dem orangefarbenen Gebilde darunter zu sehen ist. Aus dieser schlüpft – den Kreis schließend – ein Seidenspinnermännchen oder -weibchen. Ohne inhaltlichen Zusammenhang, sondern als farbliche Akzente fügte Flegel zwei rote Käfer hinzu.

Die einzelnen Stadien der Verwandlung des Seidenspinners finden sich in fast gleicher Darstellung auch auf einem der Berliner Aquarelle Georg Flegels, allerdings in einer lockereren, weniger gedrängten Anordnung.

Flegel hat mit dem Seidenspinner-Blatt bzw. den Blättern der Berliner Aquarelle (und dem entsprechenden Prehn’schen Bildchen) wohl als erster eine Naturstudie geschaffen, in der die einzelnen Bildkomponenten einen inhaltlichen Bezug zueinander haben. Das eigentliche Metamorphosebild entwickelt sich allerdings erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Möglicherweise ist es nicht zufällig eine Schmetterlingsmetamorphose, die als erste erzählerische Naturstudie auf den Plan tritt, ist doch der Schmetterling ein traditionelles Sinnbild der menschlichen Seele, die – wie das Insekt aus seiner Puppe – nach dem Tod aus dem irdischen Körper hervorbricht. Inwieweit der sachlich geschilderte Vorgang bei Flegel allerdings symbolisch aufgeladen werden kann, ist fraglich.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)