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Miniaturkabinett

20. Abteilung

Der Brand von Troja

  • nach Johann Georg Trautmann (1713-1796), Staffage: Johann Ludwig Ernst Morgenstern (1738-1819)
  • um 1770/80
  • Ölhaltige Malerei auf Papier auf Laubholz kaschiert, H.: 12 cm; B.: 15 cm; T.: 1,3 cm
  • hmf.Pr794
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Die sehr dunkel gehaltene Nachtszene zeigt den Blick über eine ebene Landschaft oder Platzanlage, deren Hintergrund von einer Reihe brennender Gebäude besetzt ist. Im Mittelgrund ist links das Trojanische Pferd auszumachen, welches von schemenhaften Soldaten umgeben ist, während mittig ein Reiter nach vorne galoppiert und weiter rechts, getrennt durch einen Feldblock, Aeneas seinen Vater Anchises im Huckepack aus der brennenden Stadt trägt.
Aufgrund des schlechten Zustands des Gemäldes wird eine Überprüfung und Beurteilung der Zuschreibung erschwert. Im Auktionskatalog der Sammlung Prehn von 1829 findet sich die Angabe, das Gemälde sei von Johann Georg Trautmann gemalt worden und Johann Ludwig Morgenstern habe es staffiert. Ein stilistischer Vergleich mit den gesicherten Feuersbrünsten Trautmanns (Pr545/546) zeigt jedoch, dass Kolorit, Malweise, Trägermaterial sowie das Kompositionsschema eine tradierte Zuschreibung von Pr794 an den Frankfurter Künstler nicht länger haltbar machen.
Der Auktionskatalog der Sammlung Prehn von 1829, sowie diesem folgend 1843 Johann David Passavant sprechen die Figuren Johann Ludwig Ernst Morgenstern zu, deren Behauptung durch Vergleiche der Figurenbildung von Aeneas und Anchises mit anderen Morgenstern zugeschriebenen Staffagefiguren bestätigt werden kann.
Möglicherweise entstanden nach Trautmanns Tod viele Nachahmungen seiner auf dem Frankfurter Kunstmarkt so beliebten Feuerbrünsten und kamen dann auch unter dessen Namen in Frankfurt zum Verkauf. Diese Praxis könnte auch die sechs Jahrzehnte spätere, eigentlich erstaunliche Fehlzuschreibung des in seiner Auffassung sehr andersartigen und von einem unbekannten Trautmann-Nachahmer stammenden Brand von Troja an den Meister selbst leichthin erklären.
(Gerhard Kölsch, Kurzfassung: Sina Bergmann)