Navigation

Miniaturkabinett

20. Abteilung

Apoll schindet Marsyas

  • Antonio Tempesta, Kopie
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, ø max.: 15,0 cm; T.: 0,5 cm
  • hmf.Pr810
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Im sechsten Buch seiner Metamorphosen (Vers 382–400) berichtet Ovid die grausame Geschichte von der Schindung des Marsyas: Der phrygische Satyr beherrschte eine von Athena gefertigte Doppelflöte so vollkommen, dass er den Leierspieler Apoll zum Musik-Duell herauszufordern wagte. Die Bedingung war, der Gewinner dürfe mit dem Verlierer anstellen, was er wolle. Als Schiedsrichter fungierten die Musen. Tatsächlich konnten sich diese für keinen Kandidaten als Gewinner entscheiden, bis Apoll Marsyas aufforderte, sein Instrument verkehrtherum zu spielen. Dies gelang dem Satyr mit der Flöte nicht, dem Gott mit der Leier aber sehr wohl. Der Verlierer wurde daraufhin von Apoll an einer Pinie aufgehängt und gehäutet. Sein Blut und/oder die Tränen der Nymphen und Satyrn bildeten den Fluss Marsyas.

Auf dem Prehn’schen Gemälde lehnt  Marsyas gegen einen Baumstamm, das schmerzvolle Gesicht gegen rechts abgewandt. Apoll hält seinen Arm und hat das blinkende Messer bereits an der Schulter angesetzt. Das Inkarnat von Schulter, Oberkörper und rechtem Schienbein der Figur Apolls markiert die Längsachse durch die hellen Lichthöhungen. Das lose flatternde zitronengelbe Gewand des Gottes nimmt die Lichtführung auf.

Die Vorlage für die Prehn’sche Komposition findet sich im 58. Blatt aus der Folge „Metamorphoseon sive Transformationum“, die von Antonio Tempesta gestochen und 1606 publiziert wurde. Der Kopist ist möglicherweise im deutschsprachigen Gebiet im späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert anzusiedeln und hielt sich bis auf kleinere Abweichungen streng an die Vorgaben.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)