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Miniaturkabinett

20. Abteilung

Affen plündern einen Obstteller

  • Jan Brueghel d. J. (1601-1678) , Teilkopie
  • nach 1621
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 16,9 cm; B.: 22 cm; T.: 0,45 cm
  • hmf.Pr103
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Auf einem Tisch, der mit einem Teppich bedeckt ist, haben sich zehn Meerkatzen um eine Schale mit Obst versammelt und bedienen sich an den Früchten. Das von dunklen Rot- und Brauntönen dominierte Bild ist eine Teilkopie nach dem Fest der Affen von Jan Brueghel d. Ä. und seinem Sohn. Diese Zusammenarbeit entstand um 1621 als wohl erste ganz von Affen getragene Vanitas-Allegorie. Der zentrale, für Pr103 gewählte Ausschnitt vermittelt in seiner harmlosen Drolligkeit allerdings überhaupt nichts mehr von der moralisierenden Wucht der ursprünglichen Komposition: Hier hat eine Hundertschaft von unterschiedlichsten Affen einen Wohnraum erobert, beschmutzt den Boden, plündert den großen Schrank mit Geschirr und Vorräten im Hintergrund und hat den Menschen komplett aus dem Bild verdrängt. Der Kopist hat sich aber in der Anordnung der Tiere und der Farbigkeit an das Vorbild gehalten. Eine Entstehung im Werkstattumkreis Brueghels ist daher anzunehmen.
Der Affe als Sinnbild des Bösen hat eine lange Tradition in der bildenden Kunst. Hieraus entwickelt sich im 16. Und 17. Jahrhundert insbesondere in der Bildkunst der südlichen Niederlanden ein reicher Motivschatz mit vielgestaltigen Deutungsmöglichkeiten heraus. Insbesondere David Teniers d. J. hat zahlreiche Allegorien mit menschlich gekleideten Affengesellschaften geschaffen, die rauchen, trinken oder Kartenspielen, und führt so Untugenden und Laster pointiert vor Augen. Auf diese bekannten Kompositionen ist es sicherlich zurückzuführen, dass Pr103 fast durchgehend als Werk Teniers‘ angesehen wurde.
(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)