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Miniaturkabinett

32. Abteilung

Waldlandschaft mit Apoll und Daphne

  • Hans Jordaens III. (1595-1643)
  • Öl- und Temperafarbe auf Eiche, H.: 21,4 cm; B.: 11,9 cm; T.: 0,6 cm
  • hmf.Pr099
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Die beiden Bildchen zeigen Szenen aus den Metamorphosen des Ovid. In Pr99 ist die unglückliche Liebe des Sonnengottes Apoll zu der Nymphe Daphne dargestellt, von welcher Ovid im ersten Buch (Vers 452–567) berichtet. Das extrem schmale Hochformat zeigt im Vordergrund einer bewaldeten Landschaft auf dem braunen Erdboden Apolls Jagd nach Daphne von links nach rechts.
Im siebten Buch (Vers 794-862) findet sich die Geschichte des Gegenstücks: Auf der Jagd schleudert Cephalus seinen Speer ins Gebüsch, weil er dort ein Tier vermutet; in Wahrheit hat sich dort jedoch seine Frau Procris versteckt, die glaubt, ihr Mann würde sich hier mit einer Geliebten treffen. Cephalus kann Procris nur noch stützen, die sich den Speer aus der Wunde zieht und danach in seinen Armen stirbt. Die Waldlandschaft von Pr100 ist spiegelbildlich zu der des Pendants gebildet, indem hier der Ausblick auf Gewässer und Wald am linken Bildrand erscheint und die Kronen der beiden bildbeherrschenden Bäume im Vordergrund nach rechts ansteigen. Die Bäume rahmen eine Wegkreuzung, auf welcher sich Cephalus und Procris begegnen.
Das schmale Hochformat ebenso wie das Sujet der Ovid-Darstellung in einer Waldlandschaft lässt darauf schließen, dass die Täfelchen einst zu einem Antwerpener Kabinettschrank gehörten. Wie üblich orientieren sich die Figuren im Großen und Ganzen an den gängigen Ovid-Illustrationen von Virgil Solis, wobei der Künstler hier etwas freier mit der Vorlage umgeht. Es handelt sich bei ihm um Hans Jordaens III., der tatsächlich als Kabinettschrankmaler verbürgt ist. Seine Handschrift ist in den Physiognomien, der Gewandbehandlung und der Farbigkeit der Figuren wiederzuerkennen.
(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)