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Miniaturkabinett

32. Abteilung

Capriccio mit dem Kolosseum und Motiven vom Forum Romanum in Rom

  • Deutsch (?)
  • 18. Jahrhundert
  • Ölhaltige Malerei auf Laubholz, H.: 13,9 cm ; B.: 24 cm; T.: 0,9 cm
  • hmf.Pr854
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Das kleinformatige Gemälde vereint verschiedene antike Ruinen und Architekturen der Stadt Rom zu einem dekorativen, frei zusammengestellten Capriccio: In der rechten Bildhälfte erkennt man eine Ansicht des Kolosseums, bestehend aus einem Stück der viergeschossigen Fassade, wobei das dargestellte Gebäude nur einen kleinen Teil tatsächlich erhaltenen Bauwerks ausmacht. Links ragen die drei Säulen des Dioskuren-Tempels auf dem Forum Romanum auf, und im Vordergrund bildet der 1593 nach Entwurf von Jacopo della Porta errichtete Brunnen mit der Quelle der Juturna und der großen antiken Granitschale einen Blickpunkt. Einige Frauen am Brunnenbecken und Staffagefiguren in historisierender Tracht des 17. Jahrhunderts beleben das Feld zwischen den Ruinen und Bauten. Im Hintergrund deuten flüchtig gemalte Architekturen die Stadt Rom an, all dies hinterfangen von zart gemalten, hohen Bergketten.
Die skizzenhafte, teils auch etwas flüchtig gemalte Darstellung setzt die einzelnen Motive additiv nebeneinander und entwickelt kaum eine räumliche Tiefenwirkung. Die erstmals von Passavant vorgenommene Zuschreibung an Christian Georg Schütz den Älteren wurde in jüngster Zeit im Flörsheimer Ausstellungskatalog von 1992 teils wieder zurückgenommen. Tatsächlich lassen sich die Motivik und die Anlage von Raum und Landschaft, die Malweise und das brauntonige, recht kontrastreiche Kolorit weder mit dem älteren Schütz, noch mit Werken aus seinem direkten Umfeld vergleichen oder in Verbindung bringen. Das letztlich nur mäßig qualitätvolle Bild scheint nach Stil und Ausgestaltung des Themas aus dem 18. Jahrhundert, und vielleicht von einem deutschen Maler zu stammen.
(Gerhard Kölsch, Kurzfassung: Sina Bergmann)