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Miniaturkabinett

32. Abteilung

Junge mit Federhut

  • Hendrik ter Brugghen, Kopie
  • 18. Jahrhundert (nach 1681)
  • Ölhaltige Malerei auf Leinwand, H.: 11,1 cm; B.: 13,0 cm
  • hmf.Pr826
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Der Ausschnitt des Bildes zeigt einen Jungen in rotem Oberteil mit einem dunklen Hut auf dem Kopf, den drei große grüne Federn schmücken. Die Kopfhaltung ist leicht schräg und der geöffnete Mund legt den Schluss nahe, dass der Knabe möglicherweise singt. Während das Gesicht mit lockeren Pinselstrichen routiniert und treffend gestaltet ist und die voluminösen Federn mit feinerem Strich sehr plastisch formuliert sind, hat der Übergang von Hals zur rechten Schulter dem Künstler offenbar anatomisch große Probleme bereitet. Es handelt sich daher vermutlich eher um eine Kopie als um ein originäres Werk.

Die Vorlage ist in der niederländischen Malerei zu suchen. Vor allem die Utrechter Caravaggisten haben das Genremotiv der musizierenden Gesellschaft immer wieder variiert und auch zahlreiche einzelne Halbfiguren beim Singen und Musizieren geschaffen. So verwundert es nicht, in einem seitenverkehrten Mezzotintoblatt von Jan Verkolje I (1650–1693) nach einem Gemälde von Hendrik ter Brugghen die Vorlage für Pr816 zu finden. Der hochformatige Stich zeigt im unteren Bereich starke Abweichungen: Der Junge spielt ein Saiteninstrument und trägt ein hochgeschlossenes weißes Hemd unter seinem weiten gestreiften Oberteil. Die Veränderungen von Körperhaltung und Kleidung an dieser Stelle führten zu den anatomischen Mängeln in Pr826. Der Kopist variierte zudem den Blick des Jungen, der im Stich nach oben schaut. In welchen neuen Zusammenhang er den nunmehr nicht mehr fiedelnden sondern nur noch singenden Jungen setzte, ist aufgrund der allseitigen Beschneidungen leider nicht mehr feststellbar.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)