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Miniaturkabinett

32. Abteilung

Ideale Rheinlandschaft

  • Christian Georg Schütz der Ältere (1718-1791), Werkstatt
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 16,2 cm, B.: 22,8 cm, T.: 0,8 cm
  • hmf.Pr544
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Die ideale Rheinlandschaft nach niederländischer Tradition zeigt einen Fluss in einem breiten Tal unter freundlich-sommerlichem Himmel. Links wird das Gewässer von einer hoch aufragenden Hügelzunge mit einer Burg an der Spitze gesäumt. Rechts blickt man zu entfernten, hell im bläulichen Dunst liegenden Höhenzügen mit einer weiteren Burg, deren Befestigungsanlagen und Türme bis ans Ufer herabreichen, während auf einer großen Insel wohl eine Klosteranlage zu erkennen ist.
Die Darstellung greift in Komposition, Ausgestaltung und selbst in der Figuren- und Architekturstaffage entsprechende Rheinlandschaften von Herman Saftleven (1609–1685) auf, wie sie Christian Georg Schütz der Ältere in seiner Frühzeit vielfach als Vorbild seiner ersten Landschaftsgemälde heranzog. Während dessen frühen Rheinlandgegenden jedoch feinmalerisch und glatt gemalt sind, ein kontrastreiches, häufig auch buntfarbig akzentuiertes Kolorit aufweisen und vor allem eine eindrucksvolle Lichtstimmung und dichte Atmosphäre entwickeln, wirkt die besprochene Rheinlandschaft nüchterner, ja fast trocken vorgetragen. Die Komposition erscheint additiv angelegt, anstatt organisch in den Übergängen wie beim älteren Schütz, die Malweise ist kleinteilig und ängstlich-steif gestrichelt, der Farbauftrag dünn, teils transparent und das Kolorit heller und vor allem kühler. Die Handschrift von Pr544 ist ganz offensichtlich dieselbe wie jene in den beiden Rheinlandschaften Pr473 und Pr474 des 25. Kabinetts der Prehn-Sammlung, weshalb alle drei Gemälde folglich in der Werkstatt des Künstlers entstanden, jedoch bislang keinem dort tätigen Künstler namentlich zugeschrieben werden können.
(Gerhard Kölsch, Kurzfassung: Sina Bergmann)