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Miniaturkabinett

27. Abteilung

Waldgegend mit Frauenfigur

  • Monogrammist I. H.
  • 16(0?)7
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, Durchmesser: 12,5 cm; T: 0,7 mm
  • hmf.Pr309
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Das Rundbild zeigt eine Waldlandschaft mit einer zentralen Baumgruppe, deren Stämme kurios verschlugen sind. Im Vordergrund erheben sich zwei spärlich belaubte Bäume, die Rückenfigur einer Frau und ein Baumstumpf. Die weißhaarige Frau trägt einen bodenlangen grünen Rock, ein rot-schwarz-gemustertes Oberteil, eine weiße Halskrause und einen Heukenhut mit Stiel.

Eine Verbindung des Künstlers zur Frankenthaler Malerschule, konkret zu Anton Mirou (1578–vor 1627), wie von früheren Beschriftungen vorgeschlagen, ist denkbar, wenn man die Farbigkeit des Bildchens und die Baum- sowie Laubstruktur betrachtet. Das Motiv der verschlungenen Baumstämme kommt zwar bei mehreren Künstlern des Frankenthaler Kreises vor, ist bei Anton Mirou jedoch besonders häufig vertreten. Das neu entdeckte Monogramm I. H. auf Pr309 konnte trotz dieser Einordnung des Bildchens noch nicht aufgelöst werden. Abgesehen von Caspar de Munter, der 1608 in Mirous Werkstatt aufgenommen wurde (und von dem keine Bilder erhalten sind), lassen sich keine weiteren Schüler des Frankenthaler Meisters nachweisen. Keine Entsprechung im Werk Mirous hat die zentrale Rückenfigur, sowohl was ihre Kleidung als auch was ihre ganze Auffassung angeht. Sie gehört nicht zur üblichen Staffage der Waldlandschaften, die – neben biblischen und mythologischen Figuren – aus Jägern, Waldarbeitern, Zeichnern und vor allem Reisenden besteht. Am ehesten ließe sich die Frau in letztere Kategorie einsortieren. Sie ist allerdings allein in einer einsamen Landschaft unterwegs und trägt keinerlei Reisegepäck mit sich, die ihr Unterwegssein erklären würden. Wohin des Wegs ist sie also? Der abgeschlossene Bildraum, der keinen Ausblick auf Haus oder Stadt bietet, liefert uns keine Antwort.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)