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Miniaturkabinett

21. Abteilung

Der hl. Jakobus Major besiegt einen Sarazenen

  • Maerten de Vos (1532-1603), Kopie
  • 17. Jahrhundert
  • Ölhaltige Malerei und Temperafarbe auf Kupfer, H.: 22,0 cm; B.: 16,5 cm; T.: 0,05 cm
  • hmf.Pr112
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Dargestellt ist eine Szene aus der Heiligenlegende des Jakobus Major. Der Apostel und Märtyrer wurde zusammen mit seinem Bruder Johannes von Jesus zum Jünger berufen (Mt 4,21). Die Vita berichtet von zahlreichen Wundern zu Lebzeiten, zu denen die Pilgerwunder hinzukommen, so dass seine Grabstätte in Santiago de Compostella zum wichtigsten Pilgerzentrum nach Rom und Jerusalem avancierte. Eine der posthumen Erscheinungen geschah vor der Schlacht von Clavijo (um 844), als Jakobus König Ramirez I. im Traum versprach, auf einem Schimmel und mit einer weißen Fahne den christlichen Truppen am nächsten Tag in der Schlacht gegen die Sarazenen beizustehen. Tatsächlich konnten die Mauren in der Schlacht besiegt werden. Diese auch in Pr112 wiedergegebene Einzelszene ist eine der beliebtesten. Besonders seit der Gegenreformation wurde der sogenannte Jacobus Matamoros (Maurentöter) häufig dargestellt
Die Prehn’sche Komposition folgt in den Hauptzügen einem Kupferstich von Chrispijn de Passe d. Ä. (1564–1637) nach Maerten de Vos, der die Szenerie in ein Oval einschreibt. Obwohl im Stich durch die Helltonigkeit des Pferdefells die literarische Vorgabe korrekt umgesetzt wurde, die den Heiligen auf einem Schimmel an der Schlacht teilnehmen lässt, hat sich der Kopist hier von der Vorlage gelöst und gibt das Streitross mit braunem Fell und einer markanten Blässe auf der Stirn wieder. Die Prehn’sche Kopie zeigt eine versierte, sichere Künstlerhand, die die Vorlage verbessernd abwandeln konnte. Die Lokalisierung des Kopisten in einer flämischen – vermutlich Antwerpener – Werkstatt des 17. Jahrhunderts ist sehr wahrscheinlich.
(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)

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