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Miniaturkabinett

28. Abteilung

Schlafender Hirte und Schafe auf der Weide

  • Adriaen van de Velde (1636-1672), Kopie
  • nach 1659
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 16,6 cm; B.: 21,7 cm; T.: 0,9 cm
  • hmf.Pr164
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Vor einem geflochtenen Weidezaun liegen drei Schafe zwischen Grassoden auf dem Erdboden. Als Rückenfigur lehnt in der Bildmitte der Schäfer am Ende des Zauns an einem Baumstumpf und scheint ein Schläfchen zu halten. Rechts vor ihm stehen zwei weitere Schafe. Obwohl die kurzen Schatten die Mittagsstunde suggerieren, rufen die vom Gebirge her aufgetürmten Wolken mit ihrem zartgelben Schein eher den Eindruck einer Abendstimmung hervor.
Die bäuerliche Idylle, die seit jeher mit Adriaen van de Velde in Verbindung gebracht wurde, vereint zwei seiner Kompositionen zu einer. So wurden vom Kopist Bildelemente von Landschaft mit Widder und Schafen und Schafe am Baum mit schlafendem Hirten in Pr164 übernommen. In der stilistischen Entwicklung Adriaen van de Veldes fallen die Vorbilder des Prehn’schen Bildes in die Frühphase seines Schaffens. Im Gegensatz zu den bewegten und in der Farbgebung wärmeren Kompositionen ab den 1660er Jahren, zeichnen sich die Vorlagen durch schlichtere Bildaufbauten und einen kühleren Gesamtton aus.
Auch wenn Adriaen van de Velde in dieser Zeit noch nicht immer zu überzeigen weiß, lässt sich die Qualität von Pr164 nicht mit der Hand Adriaen van de Veldes vereinbaren. Zudem hat van de Velde selbst selten eine seiner Kompositionen wiederholt. Inwieweit Pr164 einem der namentlich bekannten Nachahmer van de Veldes zuzuschreiben ist – etwa Pieter van der Leeuw (1647–1679) – müssen stilkritische Vergleiche in Zukunft noch klären.
(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)