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Miniaturkabinett

28. Abteilung

Merkur, Argos und Io

  • unbekannt, holländisch
  • 1. Hälfte 17. Jahrhundert
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 17,2 cm; B.: 22,5 cm; T.: 0,8 cm
  • hmf.Pr021
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Die unter anderem in den Metamorphosen des Ovid überlieferte Sage von Merkur und Argus berichtet von der listigen Befreiung der Io. Diese wurde von ihrem Geliebten Jupiter in eine weiße Kuh verwandelt und von der rachsüchtigen Juno dem 100-äugigen Riesen und Hirten Argus zur Bewachung anvertraut. Auf Befehl des Göttervaters machte sich Merkur – als Hirte verkleidet – auf, um mit seinem Flötenspiel den Bewacher einzuschläfern und ihn so töten zu können.

Auf dem Gemälde sitzt rechts Argus mit nacktem Oberkörper und einer lockeren Tunika; das bärtige Profil hat er zu Merkur zugewandt, der auf einer Schalmei oder Pommer spielt. Zwischen den beiden Männern steht frontal Io in Gestalt der weißen Kuh und blickt den Betrachter an. Links unten tummeln sich fünf Schafe, vermutlich in Anlehnung an die bei Ovid erwähnten Ziegen, die Merkur zur besseren Tarnung als Hirte mit sich führte.

Der Mythos von Merkur und Argus erfuhr die stärkste bildliche Verbreitung in der Malerei der nördlichen Niederlande und hier insbesondere im 17. Jahrhundert. Geschildert wird im Prehn’schen Bild der „klassische“, am häufigsten dargestellte Moment, in dem Merkur bereits zu musizieren begonnen, Argus aber noch die Augen geöffnet hat. Ikonographisch folgt Pr21 in weiten Teilen der üblichen Tradition, etwa Argus in gewöhnlicher Menschenform und nicht mit einer Vielzahl an Augen darzustellen. Völlig außergewöhnlich ist jedoch in vorliegenden Fall die Kleidung Merkurs mit seinem Lederkoller, Stiefeln und Beinkleidern sowie – vor allem – mit dem Federbarett.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)