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Miniaturkabinett

28. Abteilung

Das letzte Abendmahl

  • unbekannt
  • 1. Viertel des 17. Jahrhunderts (?)
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 7,6 cm; B.: 9,6 cm; T.: 0,7 cm
  • hmf.Pr793
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
In einem nicht näher gekennzeichneten Innenraum sitzen Christus und die zwölf Jünger dicht gedrängt um eine weiß gedeckte Tafel. Zentral auf der Mittelachse ist Christus hinter dem Tisch platziert und macht mit der rechten Hand den Segensgestus. An seiner Brust liegt der knabenhafte Johannes, die Arme auf dem Tisch verschränkt und den Blick auf den Betrachter gerichtet. Vor ihm steht eine Platte mit dem gebratenen Lamm. Gerahmt wird diese Gruppe durch die beiden in Gänze zu sehenden Sitzfiguren zweier Jünger an der Vorderkante des Tisches: links die Rückenfigur eines älteren Mannes, rechts der im Profil gegebene Judas in gelbem Gewand mit grünem Mantel. Er ist sowohl an seinem roten Haupthaar und langen Bart kenntlich, als auch an dem Beutel mit Silberlingen, den er in der herabhängenden Hand hält.
In der gedrängten Anordnung und den rahmend sitzenden Ganzfiguren an der Vorderseite des Tisches greift Pr793 auf Formulierungen des Abendmahlsthemas in der deutschen Graphik des 16. Jahrhunderts zurück. Als Beispiel sei hier ein Kupferstich von Virgil Solis (1514–1562) angeführt, der Judas vergleichbar im Profil und ihm gegenüber einen Jünger in dreiviertel-Rückenansicht zeigt. Die Mittelachse bildet auch hier die Platte mit dem Lamm, der mit verschränkten Armen auf dem Tisch liegende Johannes und Christus mit erhobenem Arm. Der lockere, etwas grobe Pinselduktus und die Farbigkeit sprechen allerdings eher dafür, Pr793 in das erste Viertel des 17. Jahrhunderts zu datieren.
(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)