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Miniaturkabinett

28. Abteilung

Eine Dame als hl. Dorothea

  • unbekannt
  • 3. Viertel 17. Jh.
  • Ölhaltige Malerei auf textilem Bildträger, maroufliert, H.: 13 cm ; B.: 9,4 cm
  • hmf.Pr241
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Das Bildchen zeigt eine junge Dame mit einem Palmzweig in der Hand vor einer Säule, einem grünen Vorhang und einem Landschaftsausblick. Sie scheint das Kind in der linken unteren Ecke nicht zu bemerken, das ihr eine Schale mit Äpfeln und Blüten reicht. Die Arbeit greift den höfischen Porträtstil des flämischen Barock auf, der sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch in den nördlichen Niederlanden ausbreitete. Als Versatzstücke betonen in diesem Bildtypus Vorhänge und Gartenausblicke den Status der Dargestellten, die Linien sind fließend bewegt, das Kolorit farbenfroh. Treten Kinder in diesen Bildnissen an die Mutter heran, bringen sie ihr in den meisten Fällen Blumen oder Blüten. Im Prehn’schen Bild erhält die Szene jedoch eine doppelte Bedeutung: Märtyrerpalme und ein Knabe (oder Engel), der Früchte und Rosenblüten trägt sind die typischen Attribute der hl. Dorothea, in deren Rolle die Dame hier auftritt.

Das „portrait historié“ ist in der niederländischen Porträtmalerei des 17. Jahrhunderts ein gern gepflegtes Genre. Unter den Virgines Capitales tritt das Identifikationsporträt als hl. Dorothea jedoch seltener auf als die Heiligen Katharina, Margarete oder Barbara. Die Motivation zur Darstellung muss nicht unbedingt nur in einer Namensgleichheit liegen, sondern kann auch durch den Wunsch nach einem allgemeinen Tugendbeispiel bedingt sein.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)