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Miniaturkabinett

28. Abteilung

Die Flucht nach Ägypten

  • Johann Ludwig Ernst Morgenstern (1738-1819)
  • wohl um 1770/72
  • Ölhaltige Malerei auf textilem Gewebe, maroufliert auf Holz, H.: 9,7 cm; B.: 15,8 cm; T.: 0,9 cm
  • hmf.Pr858
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Die beiden sehr dunkel gehaltenen Darstellungen geben Szenen aus der Kindheit Jesu wieder. So schildert Pr676 die in allen Evangelien berichtete Geburt Christi im Stall zu Bethlehem. Das Gegenstück Pr858 zeigt die im Matthäusevangelium (Mt 2,13–23) nur knapp angedeutete, von apokryphen Schriften jedoch reich ausgeschmückte Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Diese ist hier als Nachtstück vor weiter Landschaft aufgefasst. Dabei schreitet Joseph mit einer Fackel fort und führt einen schwer bepackten Esel an, auf dem Maria reitet, das Jesuskind eng an ihren Körper gepresst.
Beide Werke lassen sich in das Frühwerk Johann Ludwig Ernst Morgensterns einordnen. Die Flucht nach Ägypten basiert in der Ausgestaltung des Bildthemas auf Adam Elsheimers (1578–1610) viel bewunderte Fassung des Themas von 1609. Morgensterns Flucht nach Ägypten bewahrt die gleiche Maßstäblichkeit von Landschaft und kleinen Figuren wie Elsheimer, während sein vorangehender Joseph mit der großen Fackel eher späteren Bildtraditionen entspricht. Eine direkte Vorlage zu Morgensterns Bildgestaltung ließ sich bislang nicht ausmachen. Entsprechendes gilt für die Geburt Christi: Beispiele für eine vergleichbare Ausgestaltung des Bildthemas sind aus der Frankfurter Malerei der Zeit nicht bekannt. Die besprochenen Kompositionen Morgensterns sind somit offenbar Beispiele für die auch im späten 18. Jahrhundert greifbare, künstlerische Rezeption des berühmtesten Frankfurter Malers, auch wenn sich der genaue Weg der Übermittlung in diesem Fall nicht nachzeichnen lässt.
(Gerhard Kölsch, Kurzfassung: Sina Bergmann)