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Miniaturkabinett

4. Abteilung

Waldlandschaft mit Steg über einen Bach

  • Karl Franz Kraul (1754-1796)
  • vermutlich um 1784
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 18,5 cm; B.: 25,5 cm; T.: 1,2 cm
  • hmf.Pr675
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
In Pr331 ragt links, über einem kleinen Erdhügel und dichtem Unterholz eine knorrige Eiche als markantes Repoussoirmotiv empor. Dahinter steigt ein sandiger, in hellem Sonnenlicht liegender Weg nach links an, auf welchem sich ein Bauer mit geschulterter Last befindet. Ebenso beleben zwei Kinder auf dem Rasenhang rechts die bildparallel geschlossene Komposition, die nur links einen kleinen Ausblick in dunstige Fernen bietet. Das Gegenstück Pr675 zeigt mehrere hohe Bäume als Repoussoir, einen überwucherten Hügel im Mittelgrund und einige zwischen Baumwipfeln geduckte Bauernhäuser. Zwischen den Gebäuden und dem Hügel windet sich ein kleines Gewässer nach vorne, welches dort von einem Holzsteg überspannt wird. Eine Lastenträgerin und ein Knabe gehen auf diesen zu, während eine zweite Frau rechts vorne auf dem Weg verharrt.
Krauls dichte Waldlandschaften mit knorrigen, teils abgestorbenen Eichbäumen als Repoussoir eifern ganz offensichtlich den Werken eines Jacob van Ruisdael (1628/29–1682) nach. Diese Gemälde heben sich markant von den seinerzeit allgegenwärtigen, idealen Flusslandschaften von Christian Georg Schütz dem Älteren und seines Kreises ab. Der junge, aufstrebende Kraul konnte mit seinen Landschaftsbildern also eine eigene Nische auf dem Kunstmarkt besetzen, dessen Erfolg durch eine überregionale Verbreitung seiner Werke dokumentiert wird.
(Gerhard Kölsch, Kurzfassung: Sina Bergmann)