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Miniaturkabinett

29. Abteilung

Die büßende Maria Magdalena

  • unbekannt
  • 18. Jahrhundert
  • Ölhaltige Malerei auf Kupfer, H.: 15,6 cm; B.: 12,0 cm (oval)
  • hmf.Pr214
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Nur mit einem weißen Untergewand und einem blauen Mantel bekleidet sitzt Maria Magdalena vor einer felsigen Böschung. Ihre rechte Hand hat sie auf einen Totenschädel gelegt, während sie mit ihrer linken an ihre entblößte Brust fasst. Den Kopf mit den langen blonden Locken wendet sie aufwärts und blickt in die leuchtend gelben Himmelsstrahlen, die aus Wolken vor der Felswand herabfallen.
In der Kunst der Renaissance und des Barock ist die Darstellung der büßenden Maria Magdalena sehr beliebt. In der vorliegenden Komposition wird der erotische Aspekt der büßenden Maria Magdalena besonders betont. Die über die Schultern gerutschten Gewänder, das wallende Haar, das gezierte Fingerspiel der auf die Brust gelegten Hand und der leicht geöffnete Mund unterstützen den sinnlichen Reiz der Erscheinung. Unübersehbar wird hier mit dem reumütigen Aufblicken und der Demutsgeste auf die von Tizian begründete Darstellungstradition zurückgegriffen, die in Bildfindungen von Peter Paul Rubens und Anton Van Dyck tradiert und sowohl im Bußgestus als auch im Sinnlichkeitsgehalt noch gesteigert wurde. Eine direkte Graphik- oder Gemäldevorlage ließ sich für die bescheidene Arbeit bislang nicht ausmachen. Die wenig feinmalerische, in den Details unscharf-weiche Malerei lässt eine Entstehung im 18. Jahrhundert vermuten.
(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)