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Miniaturkabinett

29. Abteilung

Das Vogelkonzert

  • Jan Brueghel d. Ä., Kopie
  • nach 1606
  • Ölhaltige Malerei und Temperafarbe auf Kupfer, H.: 13,5 cm; B.: 19,5 cm; T.: 0,05 cm
  • hmf.Pr116
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Vor der Folie einer baumbestandenen Landschaft steht im Vordergrund als Hauptmotiv ein knorriger und zum größten Teil blattloser Baum. An seinem Fuß lehnt ein großes, aufgeschlagenes Notenbuch, in das zahlreiche einheimische und exotische Vögel blicken. Pr116 ist eine Kopie nach dem häufig wiederholten Konzert der Vögel von Jan Brueghel d.Ä., dessen „Urbild“ aus dem Jahr 1606 datiert. Dieses zeigt rechts eine hohe Hecke, die allerdings auf den meisten Werkstattwiederholungen und Kopien – wie auch bei Pr116 – weggelassen und durch einen Stelzvogel sowie zwei Wasservögel ersetzt wurde. Auch zwei schwimmende Enten wurden noch hinzugefügt, deren Vorlagen aus anderen Kompositionen Breughels stammen.
Ansonsten ist, wie es scheint,  jedes Tier genau übernommen worden. Brueghel machte wohl selbst Tierstudien vor der Natur, möglicherweise in der Menagerie des Statthalters in Brüssel. Daneben konsultierte er druckgraphische Vorlagen. Besondere Bedeutung erhält das Breughel’sche Original dadurch, dass hier 1606 bereits ein Paradiesvogel mit Beinen abgebildet wird. Seit 1522 gelangten ohne Beine und teils auch ohne Flügel präparierte Bälger dieser Tiere nach Europa und führten zu der irrigen Annahme, die aus dem Paradies stammenden Vögel verbrächten ihr ganzes Leben fliegend in der Luft. Ihre seit der Mitte des 16. Jahrhunderts einsetzende Darstellung in der bildenden Kunst zeigt die Tiere entsprechend immer fliegend. 1605 wurde erstmals in einem Traktat des niederländischen Arztes und Naturforschers Carolus Clusius (1526–1609) die These der Beinlosigkeit der Paradiesvögel abgelehnt, nachdem seit der Jahrhundertwende auch vollständige Bälger europäische Städte erreichten. Die von Brueghel korrekt wiedergegebene Länge der Beine und Größe der Füße legt den Schluss nahe, dass er eines dieser seltenen Präparate gesehen haben muss – denn mangels eines solchen hatte Clusius in seinem Werk weiterhin fußlose Körper dargestellt. Auch konnte man in den Menagerien dieser Zeit noch keine Studien betreiben, da lebende Paradiesvögel erst im 19. Jahrhundert nach Europa gelangten.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)


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