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Miniaturkabinett

26. Abteilung

Waldige Berglandschaft mit Johannespredigt (?)

  • Pieter Schoubroeck, Umkreis (?)
  • 1. Viertel 17. Jahrhundert
  • Ölhaltige Malerei auf Eichenholz, H.: ca. 23 cm; B.: ca. 37cm; T.: 0,6 cm
  • hmf.Pr124
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Das Landschaftsbild ist kulissenhaft aus hintereinander gestaffelten Raumteilen aufgebaut. Starke Licht- und Schattenkontraste geben der Baumpartie, die nahezu die gesamte rechte Bildhälfte einnimmt, eine äußerst lebhafte Erscheinung. Zahlreiche Menschen aus unterschiedlichen Zeiten (biblisch/ zeitgenössisch)  bevölkern die Komposition. Sie entsprechen sehr genau den Zuhörern auf Gemälden der Johannespredigt. Dieses Bildthema basiert auf der kurzen biblischen Erwähnung des in der Wüste vom Gottesgericht sprechenden Täufers. Ab etwa 1530 gewann dieses Sujet in der flämischen Kunst eine außergewöhnlich große Bedeutung. Zur Erklärung der großen Popularität wird u.a. die reale Situation in den katholisch dominierten südlichen Niederlanden in der Mitte des 16. Jahrhunderts angeführt. Im Zuge dessen war die protestantische Bevölkerung gezwungen, ihre Gottesdienste im Freien außerhalb der Stadtmauern abzuhalten.

Auch wenn der predigende Johannes im vorliegenden Fall nur schwer in der kleinen Figur mit rotem Mantel auf dem erhellten Hügel auszumachen ist, handelt es sich hier nicht um eine allgemeine Pilgerversammlung, sondern um die Darstellung der Predigt Johannes des Täufers. Die Johannespredigt erlebte eine erste Hochphase als eigenständiges Sujet der Tafelmalerei in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Für den Anstieg der Gemäldezahlen lässt sich, neben der schon erwähnten Verbindung zur realen Situation der Gläubigen, die gesteigerte Bedeutung der Predigt im protestantischen Gottesdienst anführen. In der Darstellungsweise kommt nun die Vorstellung von einer neuen Demokratisierung der Kirche zum Ausdruck. Diese baut nicht mehr auf der Vorherrschaft des Klerus auf, sondern gibt Johannes (stellvertretend) als Gleichen unter Gleichen wieder. Die Betonung der wilden Landschaft spiegelt die zeitgenössisch pantheistische bzw. naturreligiöse Auffassung vom Freien als dem Ort der wahren Gottesfurcht. In diesem Sinne könnten die dramatischen Lichtstrahlen in Pr124 gedeutet werden, die – Naturphänomen und göttliches Zeichen zugleich – den landschaftlichen Handlungsort erhöhen.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)