Navigation

Miniaturkabinett

23. Abteilung

Die Spieler

  • Jacques Callot, Kopie
  • nach 1628
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 17,6 cm; B.: 25,1 cm; T.: 0,7 cm
  • Pr038
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Um einen langen, schmalen Tisch gruppieren sich sieben Personen. Die vordere Tischkante bleibt zum großen Teil unbesetzt und gibt so den Blick auf die verteilten Spielkarten sowie Goldmünzen und Schmuck frei. Die Spieler – die Herren allesamt durch ihre federbesetzten Schlapphüte und Degen als Soldaten gekennzeichnet – heben sich mit ihrer bunten Kleidung stark vom gänzlich schwarzen Hintergrund ab.

Die Tischrunde eröffnet an der linken vorderen Ecke die verschattete Silhouette eines Mannes, der seinen Arm in weitem Bogen auf dem Tisch aufstützt. Der neben ihm stehende Spieler hat ein Bein auf die Bank gestellt und wählt soeben eine Karte in seiner Hand aus. Die prächtig gekleidete Harfenspielerin begleitet die Szene musikalisch, während ein Paar an der Längsseite gemeinsam in die Karten schaut. Sie bemerken nicht, dass der hinter ihnen stehende Mann mit einem kleinen Spiegel ihr Blatt ausspioniert und seinem Komplizen zuspielt.

Das verhältnismäßig buntfarbige, plakativ und geradezu naiv gemalte Bildchen ist die malerische Umsetzung der Radierung „Le Brelan“  von Jacques Callot, die vermutlich um 1628 entstand. Angeregt vom nordischen Caravaggismus beschäftigte sich Callot hier mit den Schwierigkeiten einer Nachtszene mit künstlicher Beleuchtung. Das seinerzeit in Frankreich sehr beliebte Brelan-Kartenspiel (auch Bouillotte) ist eine Vorform des heutigen Pokerspiels. Die in ein liegendes Oval eingefügte Komposition, deren Umschrift eine Deutung des betrogenen Mannes mit seiner Kurtisane als den verlorenen Sohn nahelegt, wurde vielfach kopiert.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)