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Miniaturkabinett

16. Abteilung

Kleine Landschaft mit Felsenbogen

  • Deutsch, gleiche Hand wie Pr507 u. Pr571
  • 18. Jahrhundert
  • Ölhaltige Malerei auf Papier, auf Hadernkarton, H.: 5,9 cm; B.: 9,7 cm; T.: 0,05 cm
  • hmf.Pr202
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Pr202 zeigt vor freundlich hellblauem Himmel einen Weg, der um einen Berghang herum und durch einen strauchbewachsenen Felsbogen hindurchführt. Diesen passiert soeben ein beladener und mit blauen Decken geschmückter Esel, dessen Treiber einige Schritte dahinter folgt. Als Gegenstück spiegelt Pr203 die Komposition. Die rechte Bildhälfte wird von einer strauchbewachsenen Ruine beherrscht, die sich nach links in einem Torbogen öffnet. Auf dem Weg entfernt sich gerade ein Eseltreiber. Das vor ihm gehende Tier ist in roten Farben geschmückt. Entsprechend trägt auch der Mann Kleider, die farblich im Gegensinn zu seinem Pendant gehalten sind

Das Motiv des Felsbogens mit herabhängenden Pflanzen (Arco Naturale) findet sich bereits in der frühen flämischen Landschaftsmalerei. Hier dient die phantastische und urwüchsige Kulisse zumeist zur Charakterisierung der Einsamkeit, in die sich Eremiten und Büßer zurückgezogen haben. In der Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts kann das Felstor zum dominanten Bildmittelpunkt werden. Vielfach greifen die Italianisanten das Motiv auf. Ihre Kompositionen werden nun auch weniger von Einsiedlern, als vielmehr von Reisenden und Hirten bevölkert. In Deutschland beschäftigen sich zu dieser Zeit die Vertreter der Nürnberger Malerschule mit den aus natürlichen Felsen und Ruinen zusammengesetzten Bogendurchblicken. Die Beliebtheit des Motivs im 18. Jahrhundert verdeutlicht auch eine vergleichbar kleine Radierung von Christian Wilhelm Ernst Dietrich, durch deren gemauerten Felsbogen ein Mann mit seinen beiden Lasttieren schreitet.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)