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Miniaturkabinett

16. Abteilung

Bekehrung des Kerkermeisters von Philippi

  • Abraham van Diepenbeeck, Kopie
  • nach 1633
  • Ölhaltige Malerei auf Eiche, H.: 32,1 cm; B.: 26,9 cm; T.: 0,45 cm
  • hmf.Pr025
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Die Apostelgeschichte (16,19-34) berichtet von der Bekehrung des Kerkermeisters von Philippi. Paulus und Silas wurden hier  wegen ihres Wirkens ins Gefängnis geworfen. Zur Mitternacht beten und singen sie, worauf sich ein Erdbeben ereignet, von jedem die Fußfesseln abspringen und sich alle Türen im Gefängnis öffnen. Der Kerkermeister, dem man befohlen hatte, besonders achtsam zu sein, will sich – die Flucht aller Gefangenen annehmend – in sein Schwert stürzen, doch Paulus ruft ihm von unten zu, alle seien noch da und er solle von seinem Vorhaben absehen. In den Kerker stürzend ruft der Wärter nach Licht und fällt dem Apostel zu Füßen.

Pr25 verbildlicht diese Geschichte in kraftvollen Figuren, die sich durch ihre farbige Kleidung von der grau-braunen Kellerarchitektur abheben. Über die Treppe links hat der Kerkermeister den Keller betreten, phantastisch-antikisch gekleidet, das Schwert in der Hand. In der rechten Ecke des Kerkers drängen sich die Gefangenen, wobei Paulus in der stehenden Figur mit blauem Mantel zu erkennen ist. Silas sitzt in einem gelben Gewand gekleidet im Vordergrund und reibt sich den Knöchel. Im Gegensatz zu den beiden angeschnittenen Gefangenen am rechten Bildrand werden Paulus und Silas durch die aufgesprungenen hölzernen Fußfesseln als die Hauptpersonen der Geschichte charakterisiert. In den meisten Verbildlichungen der eher selten dargestellten Begebenheit nehmen diese Fußfesseln als Wunderzeichen und einmaliges Erkennungszeichen der Geschichte einen hervorgehobeneren Platz ein.

Im Gegensatz zu dem eindeutig benennbaren Bildgegenstand von Pr25, bleibt die Zuordnung des Gegenstückes fraglich. Aus dem Stadttor am rechten Bildrand ergießt sich der Strom einer bunten Menschenmenge in den Vordergrund. Hier ist ein älterer Mann mit langem Bart ohnmächtig niedergesunken. Zwei Männer versuchen ihm aufzuhelfen, während die übrigen Personen bestürzt zu dem auf den Boden liegenden herabblicken. Bei diesem handelt es sich vermutlich, trotz der zu Pr25 abweichenden Physiognomie, um Paulus. Möglicherweise ist hier der in der Apostelgeschichte geschilderte Moment dargestellt, in dem Jünger und Anhänger des Paulus diesen umringen und so vor weiteren Attacken schützen, nachdem er in Lystra gesteinigt und wie tot vor die Stadt geschleift worden war.

(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)