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Miniaturkabinett

10. Abteilung

Der tote Adonis

  • Marianne Kürzinger
  • um 1790 (?)
  • Ölhaltige Malerei auf Leinwand, H.: ca. 22,0 cm; B.: ca. 15,0 cm
  • hmf.Pr732
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz

Das Bildchen zeigt die Figur des sterbenden Adonis, die sich hell gegen die dunkle Umgebung abhebt. Vom Fuß des Felsens im Rücken abgestützt, nimmt er in diagonaler Stellung die ganze Bildbreite ein. Das weite, gegürtete Gewand aus blau-rot changierendem Stoff und weißem Unterkleid ist über der muskulösen Brust geöffnet und zeigt eine blutende Wunde an der Hüfte. Am Boden neben dem Jüngling liegen Speer und Jagdhorn.
Das Gemälde erzählt in verkürzter Form von dem tragischen Geschehen, das u.a. in Ovids Metamorphosen ausführlich geschildert wird: Adonis, Sohn der Myrrha und berühmt für seine Schönheit, ist (nachdem Amor seine Mutter mit einem seiner Liebes-Pfeile verwundete) Geliebter der Venus. Gemeinsam streifen sie durch die Wälder auf der Jagd nach fliehendem Wild. Die Göttin warnt den Jüngling vor Raubtieren, doch kann dieser dem Jagdreiz nicht wiederstehen, als seine Hunde einen Eber aufspüren. Der Speerstoß tötet das Tier jedoch nicht; rasend jagt es nun seinerseits Adonis und stößt ihm die Hauer tief in die Weichen. Venus eilt in ihrem Taubenwagen herbei und betrauert den Sterbenden, aus dessen Blut sie zu ihrem eigenen Trost das Adonisröschen (Anemone) entstehen lässt.
Aus dem seit der Barockzeit sehr häufig verbildlichten Adonis-Mythos der ovidischen Verwandlungen gehört neben der bewegten Abschiedsszene, in der Venus ihren Geliebten von der Jagd zurückhalten möchte, die Klage der Göttin um den sterbenden Geliebten zu den beliebtesten Szenen.  Ikonographisch äußerst ungewöhnlich in der Gattung Malerei ist die in Pr732 vorgenommene Reduzierung allein auf den sterbenden Adonis. Sowohl der Eber als auch die Jagdhunde haben den Schauplatz schon wieder verlassen, Venus ist hingegen noch nicht eingetroffen.
(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)

 

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