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Miniaturkabinett

20. Abteilung

Vornehme Dame mit Amor und dem Kopf eines Enthaupteten

  • unbekannt
  • 2. Hälfte 18. Jahrhundert
  • Ölhaltige Malerei auf Hadernpappe, H.: 13,1 cm; B.: 10,0 cm; T.: 0,09 cm
  • hmf.Pr346
  • hmf, Foto: Horst Ziegenfusz
Eine Dame im Kostüm des 18. Jahrhunderts präsentiert auf einem silbernen Teller das abgeschlagene Haupt eines Mannes mit weißer Perücke. Die Liebe spielt in der tragischen Geschichte einen nicht unwesentlichen Teil. Dies wird durch den kleinen Amorknaben oberhalb der Dame angedeutet sowie durch Pfeil und Bogen nebst einem Herz auf dem Postament rechts im Bild. 
Das Motiv einer weiblichen Halbfigur mit einem abgetrennten Männerhaupt auf einem Tablett geht sicherlich auf die halbfigurigen Einzeldarstellungen der Salomé mit dem Haupt Johannes des Täufers zurück. Die in Pr346 eindeutig positiv konnotierte Liebesbeziehung zu dem hingerichteten Mann verwundert zunächst bei der Interpretation dieses Bildes als klassisches portrait historié. Denn die Darstellung von Salomé mit dem Haupt Johannes des Täufers gründet sich nicht auf einer von Liebe, sondern von Rache handelnden Geschichte.
Das Prehn’sche Bildchen könnte zu der Gruppe der portraits en décapités gehören. Auf diesen Porträts wird in einem etwas makabren Rollenspiel ein Paar gezeigt, bei dem der Mann im wahrsten Sinne des Wortes aus Leidenschaft „den Kopf verloren“ hat. Aufgrund der deutlichen Betonung von Amor und seinem Werkzeug kann Pr346 als Huldigungsgeschenk des vor Hingabe kopflosen Herrn an seine Angebetete verstanden werden. Mit seiner außergewöhnlichen Ikonographie belegt es in jedem Fall einmal mehr die  Vorliebe Johann Valentin Prehns für ausgefallene Bildthemen.
(Julia Ellinghaus, Kurzfassung: Sina Bergmann)